Einsame Cowboys: Jungen in der Pubertät

Einsame Cowboys: Jungen in der Pubertät

Eines ist klar: Mit pubertierenden Jungs umzugehen, ist gar nicht so einfach. Mindestens launisch, häufig unberechenbar und manchmal auch aggressiv können sie Eltern und Lehrern ganz schön zusetzen und hinterlassen sie nicht selten ratlos und überfordert. Aber auch die zukünftigen Männer selbst haben unter den Wechselbädern der Gefühle zu leiden, die da in ihnen aufsteigen.

Vier Jahre lang haben die Sozialwissenschaftlerinnen Cheryl Benard und Edit Schlaffer pubertierende Jungen beobachtet und sie, ihre Eltern und Erzieher interviewt. In Einsame Cowboys versuchen sie mit dem, was sie dabei erfahren haben, den Betroffenen selbst, aber auch ihren Eltern und Erziehern Wege aus den Strickfallen der Pubertät zu weisen. –Agnes Lemonnierl

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Pubertät – wenn Erziehen nicht mehr geht: Gelassen durch stürmische Zeiten

Pubertät – wenn Erziehen nicht mehr geht: Gelassen durch stürmische Zeiten

Mangelnde Leistungsbereitschaft, schlechte Manieren, keine Werte – es sind Charakteristika wie diese, die das Bild unserer Jugend in weiten Teilen der Bevölkerung prägen. Nach Jahrzehnten antiautoritärer Reformpädagogik wird deshalb seit geraumer Zeit wieder das Loblied auf Disziplin und Ordnung gesungen. Nicht so von Jesper Juul, dessen in den Buchtitel gegossene These Pubertät. Wenn Erziehung nicht mehr geht demgegenüber beinahe antiquiert anmutet. Doch der Däne, der seit über 30 Jahren mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen arbeitet, ist sich treu und bleibt dabei: Die Erziehungsrezepte der Vergangenheit sind ein für allemal passé – zum Glück!

Der aktuelle Generationenkonflikt mutet ihn an, wie die Reaktionen auf die Frauenemanzipation. Obwohl es inzwischen selbstverständlich geworden ist, dass Frauen nicht mehr fremdbestimmt werden, sträube sich die Gesellschaft nach wie vor gegen eine Befreiung der Heranwachsenden. Juul sieht in Jugendlichen keine Kinder im fortgeschrittenen Alter, sondern mental noch nicht ganz ausgereifte Erwachsene. Dementsprechend sollte es spätestens im Alter von 13 oder 14 Jahren vorbei sein mit der Bevormundung. An ihre Stelle sollte der Dialog treten, in dem durchaus die höhere Lebenserfahrung des Erwachsenen ins Feld geführt werden kann – aber ohne erhobenen Zeigefinger. Das Motto „Selbstständigkeit ja, aber nur zu den Bedingungen der Erwachsenen“ hält Juul für paradox. Er wirbt bei den Eltern für mehr Vertrauen, und zwar bedingungsloses, im wahrsten Sinne des Wortes. Seine Empfehlung: Eltern in der Rolle von „Sparring-Partnern“, also maximalen Widerstand leisten und minimalen Schaden anrichten.

Juul versucht sein erfrischendes Kontrastprogramm zum aktuellen pädagogischen Mainstream anhand von Fallbeispielen aus seiner Praxis zu veranschaulichen. Dabei hätte eine redaktionell sorgfältige und behutsame Bereinigung der eins zu eins wiedergegebenen wörtlichen Rede dem Buch sicherlich nicht geschadet. – Franz Klotz

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