Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort! Die Weltgeschichte der Lüge

Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort! Die Weltgeschichte der Lüge

Das allein ist ja schon ein Ereignis: Diese zwei Großmeister der gehobenen Unterhaltung auf einer Bühne, vereint im geistreich-witzigen Gespräch. Deutschlands bester Kabarettist Dieter Hildebrandt und Multitalent Roger Willemsen erörterten während des Literaturfestes lit.Cologne gemeinsam das Wesen von Wahrheit und Lüge und erarbeiteten en passant eine kleine Weltgeschichte der Unwahrheit. Das kurzweilige Unternehmen fand großen Gefallen beim anwesenden Publikum. Und nun gibt es eine Tournee und ein Hörbuch und auch eine Buchfassung, die zudem auch noch ausführlicher ist als die Bühnenfassung.

Wenn Hildebrandt und Willemsen sich hier im feuilletonistischen Plauderton die Bälle zuwerfen, sich ins Wort fallen und eins ums andere Mal tief in ihre prall gefüllten Zitatenkästchen greifen, könnte man fast vergessen, dass es sich eben nicht um ein Gespräch handelt, sondern eher um eine szenische Lesung, ein Essay mit verteilten Rollen, ein Stück über die Suche nach der Wahrheit inklusive lustvollem Scheitern (den Text, der hier so pointiert zweistimmig dargebracht wird, verfasste Roger Willemsen gemeinsam mit Traudl Bünger). Denn das wird schnell klar: dass Lügen, Täuschen, Tricksen und Schmeicheln seit der unrühmlichen Sache mit Adam, Eva und der Schlange zum Menschen dazugehören. Und deshalb werden hier die großen Fälscher und Betrüger der Geschichte nicht etwa angeprangert, sondern fast schon glorreich präsentiert. Und selbst Berufslügner wie die Politiker werden ob ihrer permanenten Vergewaltigung der Wahrheit eher als Spitze des Eisbergs belächelt. Wo wir doch alle andauernd und bei jedem „Guten Tag, freut mich, Sie zu sehen“ lügen, oder wenn uns die Gattin mal wieder fragt, ob ihr Hintern auch wirklich nicht zu groß sei…

Menschliches, Allzumenschliches also. Und ein gefundenes Fressen für Willemsen und Hildebrandt, die bei Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort zu großer Form auflaufen. Ungelogen! –Christian Stahl

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»Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort!«: Die Weltgeschichte der Lüge

»Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort!«: Die Weltgeschichte der Lüge

Der Tag, an dem Kabarettistenlegende Dieter Hildebrandt zusagte, bei der Aufführung von “Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort“ mitzumachen, war für Roger Willemsen nach eigner Aussage „ein glücklicher Tag“. Das Publikum der Kölner Lese- und Veranstaltungsreihe lit.Cologne, auf dem das bekannte Duo erstmals mit seinem Programm über die Lügenhaftigkeit des Menschengeschlechts gemeinsam auf der Bühne stehen sollte, empfand das offenbar ähnlich. Die tausend Karten für die Uraufführung 2007 waren so schnell verkauft, dass in aller Eile eine Nachmittagsveranstaltung anberaumt werden musste. “Ja, die Nervosität war spürbar, als wir uns mit Dieter Hildebrandt nur Stunden vor der Premiere zur allerersten Probe trafen“, schreibt Willemsen im (leider wieder allzu schmalen) Booklet von “Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort!“. Das Alter des Kollegen — immerhin war Hildebrandt inzwischen stolze 80 Jahre — schwang da sicher mit.

Die Uraufführung von “Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort!“ geriet dann tatsächlich zu einer Show, die man getrost als legendär bezeichnen kann. Das kann selbst der behaupten, der bei der Premiere nicht zu den tausend Glücklichen gehörte. Denn man kann das Ursprungsprogramm, dass sich in der Folge seiner Tournee immer weiter entwickelte, jetzt auf CD in über zwei Stunden nachhören. Darin präsentiert sich nicht nur Willemsen, sondern vor allem auch Hildebrandt in Höchstform. Wie sich die beiden in ihren Dialogen die Bälle zuspielen, wie souverän sie selbst Versprecher einbauen und wie spontan sie auf den jeweils anderen reagieren, ist schon grandios. Da mag man es auch verschmerzen, dass das Publikum bei derlei Veranstaltungen inzwischen offenbar derart darauf fixiert ist, über Alles und Jedes zu lachen und zu grölen, dass selbst die (wenigen) flacheren und billig kalkulierten Scherze unerklärliche Beifallsstürme entfachen.

Nur eins sei noch gesagt: Die zweite Überschrift von “Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort“Die Weltgeschichte der Lüge — ist etwas hoch gegriffen. Beim Programm handelt es sich keineswegs um einen systematischen Gang durch die Historie der internationalen Heuchelei. Aber das ist bei dieser Besetzung auch gut so. Denn der Tag, an dem Kabarettistenlegende Dieter Hildebrandt zusagte mitzumachen, war für alle ein glücklicher Tag. — Thomas Köster

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Die Lüge

Die Lüge

Prinz und Bettelknabe von Mark Twain ist ein schönes, 1977 mit Raquel Welch und Charlton Heston klug verfilmtes Kinderbuch. Darin geht es um ein ungleiches Doppelgänger-Pärchen, das für kurze Zeit die Rollen tauscht, um dann zu entdecken, dass es dem jeweils einen in der Rolle des anderen weniger behagt als dieser erträumt hat. Man geht auseinander und alles ist gut. Alles schön harmlos und märchenhaft.

Irgendwie kommt einem die Story von Petra Hammesfahrs neuem Roman Die Lüge also seltsam vertraut vor, wenn man Prinz und Bettelknabe kennt. Susanne Lasko ist arbeitslos und will sich eines Tages bei einer großen Firma vorstellen. Im Aufzug schon tritt ihr ihr leibliches Ebenbild entgegen, nicht zu unterscheiden von ihr selbst — mit der einzigen Ausnahme, dass es sich bei ihrer Doppelgängerin Nadia Trenkler um eine erfolgreiche Geschäftsfrau handelt. Trenkler macht Lasko das unmoralische Angebot zum Rollentausch: Ein faszinierendes Spiel, auf dass sich Lasko wie auf einen neuen Job fasziniert und freudig einlässt.

Die Lüge nun stammt nicht von Mark Twain, sondern von Deutschlands renommierter Krimiautorin Petra Hammesfahr, die uns mit Thrillern wie Die Sünderin oder Die Mutter ein ums andere Mal Gänsehaut bereitete. Und deshalb ist es klar, dass die Story, die märchenhaft begann, für Lasko urplötzlich ins Lebensgefährliche übergleitet. Dabei zeigt sich einmal mehr, dass Hammesfahr ihr Handwerk blendend versteht. Die Lüge ist packend und ausgezeichnet ausgeführt. Und das ist hundertprozentig wahr. –Stefan Kellerer

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Blut und Lüge Reviews

Blut und Lüge

Benjamin Raab hat es geschafft. Er sitzt in einem luxuriösen Büro in der 47th Street, hat eine treu sorgende Frau und drei liebenswerte Kinder. Dann kommt das FBI, verhaftet Raab, beschuldigt ihn, für einen Drogenboss Geld gewaschen zu haben — und plötzlich ist auch für seine völlig ahnungslose Familie alles anders.

Am Anfang steht die Familie noch hinter Benjamin Raab. Aber dann wird das Haus der Familie von einer Maschinengewehrsalve fast in Trümmer gelegt. Die Raabs trennen sich von ihrem Oberhaupt und kommen ins Zeugenschutzprogramm. Sie müssen ihre Identität aufgeben, einen neuen Namen annehmen, alle ihre Freunde verlassen und in einer anderen Gegend ein neues Leben beginnen. Alle machen mit — bis auf Kate, die, frisch verliebt, nicht alles aufgeben will. Dann kommt nach und nach die ganze Wahrheit ans Licht. Und plötzlich erscheint die ganze Geschichte um Benjamin Raab als geschickt eingefädelte, mörderische Intrige…

Was tut man, wenn man merkt, dass die ganze Biografie auf einer großen Lüge basiert? Dass der Mensch, den man für seinen Vater hielt, ein vollkommen Fremder ist? Der US-amerikanische Autor Andrew Gross hat versucht, die Antworten auf diese Fragen zu ergründen. Bestsellerautor James Patterson, der mit Goss gemeinsam fünf Thriller verfasste, hat denn auch prompt ein Gefälligkeitsurteil („Spannend und rasant.“) geschrieben, das auf dem Buchrücken prangt. Das ist ebenso durchschaubar wie überflüssig. Denn Blut und Lüge spricht eigentlich für sich. Spannend, rasant und einfach blendend geschrieben. — Stefan Kellerer, Literaturanzeiger.de

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