Das Herz der Nacht

Das Herz der Nacht

Mit Das Herz der Nacht hat die vor allem für ihre Historischen Romane bekannte Ulrike Schweikert eine Brücke zwischen ihren Vampir-Krimiromanen Der Duft des Blutes und Feuer der Rache und historischen Geschichten geschlagen: Farbenprächtig und detailreich beschreibt sie das Leben im Wien des 19. Jahrhunderts und erzählt dabei die Geschichte des Vampirs Graf András Báthory, der sich als Spielball inmitten der Intrigen eines Mörders wiederfindet. Nach und nach reißt ein unbekannter Báthorys Freunden die Kehle auf und stellt Báthory dabei ins Rampenlicht der Ermittlungen.

Schweikert holt den Leser von der ersten Seite an ab und lässt ihn erst wieder gehen, wenn er die letzten Zeilen gelesen hat. Gekonnt wechselt sie zwischen souveränen Beschreibungen des höfischen Adelslebens und dem Alltag der Stadtmenschen, mischt spannungsgeladene Action mit grusligen Düstersequenzen. Dabei steht der Vampir Báthory immer im Mittelpunkt der Lesersympathie, wirkt anziehend und gleichzeitig fremd, während er Freundschaften schließt und Frauen verführt.

Schön und clever ist Das Herz der Nacht – ein klassischer Vampirroman mit Krimielementen und solidem historischem Unterbau; Ulrike Schweikert versteht das Schreiberhandwerk gut und es gelingt ihr eben so mühelos wie dem Vampir aus ihrem Buch, Menschen in ihren Bann zu schlagen. – textico.de/Wolfgang Treß

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Herz der Finsternis

Herz der Finsternis

In den Abenteuerbüchern Joseph Conrads ist der Dschungel still. Im Herz der Finsternis (1899) etwa schlängelt sich der Kongo lautlos durch die “erhabene Stille des Urwalds”: Die Geschichte von Kapitän Marlowe, der sich auf die Suche nach dem rätselhaften und grausamen Elfenbeinhändler Kurtz ins dunkle Afrika aufmacht, spielt sich vorwiegend in der “schweigenden Wildnis” ab. Erst als Marlowe Kurtz zum ersten Mal zu Gesicht bekommt, durchbricht ein schriller Schrei die Lautlosigkeit. Zunächst nur “ein Wort” in den Erzählungen der Eingeborenen, stellt sich der dämonische Redner nun “als eine Stimme dar”. Und als Kurtz mit dem flüsternden Ausruf “Das Grauen! Das Grauen!” sein Leben schließlich aushaucht, wird die Wahrheit dieser Einschätzung offenbar: “Er war kaum mehr gewesen als eine Stimme”.

Im Herz der Finsternis, das von den teuflischen Schattenseiten der europäischen Zivilisation ebenso wie von den düstren Untiefen der menschlichen Seele berichtet, ist auch der Ich-Erzähler Marlowe für seine Zuhörer “nicht mehr gewesen als eine Stimme”. Auf der CD-Fassung des Reclam Verlags nun leiht der 57-jährige Schauspieler Christian Brückner, der bereits Robert de Niro und Alain Delon synchronisierte, dem Organ des Kapitäns sein raues Timbre. Er tut dies mit viel Gespür für Conrads Text: Denn während der charismatische Kurtz “ernst, tief, bebend” — als Störung im Urwaldschweigen eben — hätte gesprochen werden müssen, ist die von Brückner gegebene Erzählstimme Marlowes ruhig, schlängelnd und tiefgründig wie der Kongostrom.

“Meine Stimme ist es, die nicht zum Schweigen gebracht werden kann”, behauptet Marlowe einmal. Nun macht uns die unverwechselbare Stimme Brückners den herrlich gleichförmig mäandrischen “Zauberfluss der Rede” vom Herz der Finsternis anschaulich. Getreu dem auf Kurtz gemünzten Diktum Conrads: “Man spricht nicht mit dem Mann — man hört ihm zu”. 5 CDs, Spieldauer: 303 Minuten. –Thomas Köster

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Samariter ohne Herz: Petra Delicado löst ihren sechsten Fall

Samariter ohne Herz: Petra Delicado löst ihren sechsten Fall

Inspectora Petra Delicado und ihr kauziger Partner Fermín Garzón melden sich bei den deutschen Lesern zurück. Das ungleiche Paar der hervorragenden spanischen Krimiautorin Alicia Giménez-Bartlett untersucht den Mord an einem Obdachlosen und stößt dabei auf Samariter ohne Herz. Der Ermordete entpuppt sich schon bald als außergewöhnlicher Mensch.

Niemand scheint den ermordeten Obdachlosen zu vermissen, der eines Morgens von einem Müllmann aufgefunden wird. Noch am Tatort meldet sich zögernd ein junger Mann, der gesehen haben will, dass Skinheads mit einem Baseballschläger auf das Opfer eingeprügelt und den leblosen Mann auf der Parkbank abgelegt hätten. Die vermeintliche Tatwaffe wird schnell in der Nähe gefunden — wie auf einem Präsentierteller. Garzón glaubt an eine Aktion von rechtsradikalen Skinheads, doch in seiner Chefin meldet sich deren berühmt-berüchtigte Intuition. Delicado glaubt fest an ein Ablenkungsmanöver. Mit Hilfe der jungen Stadtpolizistin Yolanda Santos klappern die beiden einschlägige Treffpunkte von Obdachlosen in ganz Barcelona ab und stoßen auf den verwirrten Stadtstreicher Anselmo, der in dem Opfer Tomás den Weisen erkennt, einen im Milieu der Obdachlosen außergewöhnlich geachteten Menschen. Kurz darauf wird auch Anselmo von Unbekannten getötet. Petras mühsame Ermittlungen führen in die bürgerliche Welt professioneller Gutmenschen, die offenbar auch andere Dinge im Sinn haben als das Wohlergehen ihrer Not leidenden Mitmenschen …

Bartletts Krimis sind das wohltuende Gegenprogramm für alle Krimileser, deren Nerven durch den Wettbewerb um den grausamsten Serienkiller-Roman zerrüttet sind und die von geistesgestörten Schlitzern erst einmal die Nase voll haben. Intelligent, mit ironischer Schärfe und voller Witz beharken sich ihre Hauptfiguren Petra Delicado und Fermín Garzón in wundervollen Dialogen. Dennoch arbeiten der noch unter Franco ausgebildete Hardliner Garzón und die aufgeklärte emanzipierte Delicado im Dienste der Sache immer wieder aufs Beste zusammen. In diesem „Traumduo“ hat Giménez-Bartlett das alte und das neue Spanien mit all seinen ungelösten politischen Problemen dauerhaft und kritisch verknüpft. –Ulrich Deurer

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“Mein verwundetes Herz”. SPIEGEL-Edition Band 27

“Mein verwundetes Herz”. SPIEGEL-Edition Band 27

Als Gerhard Jahn, Justizminister im Kabinett Brandt, 1998 verstarb, fand sich in seinem Nachlass ein Karton, der erschütternde Dokumente enthielt. Fast 60 Jahre lang hatte Jahn etwa 250 Briefe aufbewahrt, die er und seine Schwester 1943 und 1944 an ihre im Arbeitslager inhaftierte Mutter Lilli geschrieben hatten. Für die noch lebenden Geschwister bedeutete der Fund die schmerzliche Aufarbeitung einer verdrängten Familientragödie. Der Briefwechsel Lilli Jahns und ihrer Kinder — das Tagebuch einer nicht nachlassenden Liebe in Deutschlands dunkelster Zeit — wird den Leser so schnell nicht wieder loslassen.

Wer den Einschnitt des Jahres 1933 für den Normalbürger begreifen möchte, rät Sebastian Haffner in seiner Geschichte eines Deutschen, studiere weniger die Biografien von Staatsmännern als solche “unbekannter Privatleute”. Beispielhaft hierfür könnte das Schicksal der 1900 in Köln geborenen Lilli Schlüchterer stehen. In einer Zeitenwende, die man damals — in der Rückschau mutet dies fast zynisch an — voller Elan als das “Jahrhundert des Kindes” bezeichnete, wuchs die Tochter einer jüdischen Kaufmannsfamilie in großbürgerlich-liberaler Atmosphäre heran.

Lilli wurde zum Medizinstudium zugelassen und heiratete 1926 ihre große Liebe, den jungen Arzt Ernst Jahn. Fünf Kinder kamen zur Welt. Das nordhessische Idyll Immenhausen, in dem die beiden ihre Praxis eröffneten, wandelte sich jedoch nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zu einer Kleinbürgerhölle aus Denunzianten- und Mitläufertum: Freunde ziehen sich zurück, unter dem Druck öffentlicher Diffamierung wendet sich schließlich auch ihr Ehemann ab. Eine junge Urlaubsvertretung wird seine Geliebte. Die nach der wahnsinnigen Rassenarithmetik der Nationalsozialisten bislang stillschweigend geduldete Mischehe wird 1942 geschieden. Auf Drängen des Immenhausener Bürgermeisters, eines Musterbeispiels deutscher Pflichterfüllung und Lillis ärgstem Verfolger, wird die Jüdin Lilli im September 1943 im Arbeitserziehungslager Breitenau nahe Kassel interniert.

Die Briefe der nun weit gehend auf sich selbst gestellten Kinder an ihre Mutter bilden das herzzerreißende Kernstück des Buches. Täglich verzweifelt wiederholte Liebesbezeugungen und kleine Hilfspakete sollen den Lebenswillen Lillis stärken, die ihrerseits aus dem Lager heraus um den Zusammenhalt ihrer Kinder kämpft. Deren bange Hoffnung, die Mutter wieder zu sehen, erfüllte sich nicht. Im März 1944 erfolgte die Deportation nach Auschwitz. Eine letzte Mitteilung der schon geschwächten Lilli, verfasst von der ungelenken Hand einer Mitgefangenen — schließlich die kalte, bürokratische Benachrichtigung der Lagerverwaltung. Lilli Jahns Leben war ausgelöscht. Spät hat man sich ihrer erinnert in Immenhausen. Eine Schule und eine Straße tragen nun Lillis Namen. Ein Tabu wurde gebrochen, Opfer, Täter (und Mittäter) sichtbar gemacht. Und ein Karton voll Briefe hat Lilli Jahn unsterblich gemacht. –Ravi Unger

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Das Herz führt immer zum Erfolg. Wie du Erfolg, Wohlstand und Glück in deinLeben ziehst

Das Herz führt immer zum Erfolg. Wie du Erfolg, Wohlstand und Glück in deinLeben ziehst

Das Herz führt immer zum Erfolg Wie du Erfolg, Wohlstand und

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Der Fritten-Humboldt: Meine Reise ins Herz der Imbissbude

Der Fritten-Humboldt: Meine Reise ins Herz der Imbissbude

Ein Paar übrig gebliebene Pommes lösen sich in Ketchup und Majo auf. Jon Flemming Olsens Herz schlägt höher. Denn der als Imbisswirt Ingo aus der TV-Serie „Dittsche“ bekannte Schauspieler will endlich erleben, wie es in echten deutschen Buden wirklich zugeht. So tourt der Kompagnon von Olli Dietrich durch Städte und übers Land, „um Menschen und Imbisse und ihre Geschichten“ live zu erleben – und davon zu erzählen.

Von der Nordsee bis in den Ruhrpott, von München bis Berlin führt die kulinarische Reise der anderen Art – und nach Pohlynesien. Der Ex-Hamburger Autor spürt auf, wofür Hungrige gerne Schlange stehen, wo eigene Gesetze geschrieben werden und was es mit Sitzbagatellen auf sich hat. Leser erfahren Neues über den Wert von Kindern, ob der Raubtierkapitalismus an der Imbissbude angekommen ist und machen einen Abstecher ins Flatrate-Puff.

Gut, dass Olsen die Menschen in den Vordergrund stellt. Allerdings bleiben die Porträts teils dünn, bisweilen wären weniger Personen mehr gewesen. Und wenn sich der Fritten-Humboldt schon die Mühe macht, pro Bundesland genau einen Imbisstand aufzusuchen, könnte das zu einer unterhaltsamen Typologie verwertet werden – je weiter im Westen, desto Majo in etwa. Dass nur zwischen nativen, entwickelten und definitiven Imbissständen unterschieden wird, wirkt blass. Gefälle von Nord nach Süd oder Ost nach West bleiben im Dunkeln. Und beim echten Humboldt wäre der Weißwurstäquator nicht unerwähnt geblieben.

Trotzdem: Eine Reise ins Herz der Imbissbude – diese verrückte Idee hat eine Chance verdient. Wer sich also für die kleine wie vielschichtige Welt zwischen Friteuse, Speisewärmer und Kühlregal interessiert und sich beständig unterhalten lassen will, beherzigt einfach „Ingos“ Tipp von Seite 18. Dort heißt es ausdrücklich: Dieses Buch bei Amazon bestellen!
– Herwig Slezak

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Das Herz der Hölle: Roman. Lesung

Das Herz der Hölle: Roman. Lesung

Mathieu hat es nicht leicht mit seiner Mutter. Eigentlich war sie nie da in seiner Kindheit, und jetzt kommt sie nur noch von Zeit zu Zeit vorbei, um ihm ein schlechtes Gewissen zu machen. „Du liebst mich nicht“, hält sie ihm zum Beispiel entgegen, als sie ihn auf der Treppe zu seiner Wohnung abpasst. „Ganz im Gegenteil“, hält Mathieu ihr entgegen: „Ich liebe alle Menschen“. — „Auch die Verbrecher?“ — „Vor allem die Verbrecher“.

Eigentlich hatte Mathieu Priester werden wollen, aber jetzt sieht er dem alltäglichen Bösen auf den Straßen von Paris als Polizist ins Gesicht. Ebenso wie sein Freund Luc, der sich seit Jahren besonders fasziniert vom Teufel und seinem Wirken auf Erden zeigt. Jetzt hat Luc versucht, sich das Leben zu nehmen — und ist wie durch ein Wunder gerettet worden. Wie aber, fragt sich Mathieu, kommt Luc als gläubiger Katholik dazu, die Todsünde des Selbstmords zu begehen? Warum hatte er Einstiche in den Armen, als man ihn gefunden hat? Und welchem wahrhaft diabolischen Verbrechen war er auf der Spur, als er seinen unglaublichen Entschluss zur Selbsttötung fasste? Die Spur führt Mathieu zunächst zu einem Organisator für Pilgerfahrten, um dann immer tiefer hineinzuführen ins teuflische Herz einiger ungeheuerlicher Taten, die vor allem eines verbindet: alle mutmaßlichen Mörder galten als tot, bevor man sie ins Leben zurückgeholt hat…

Über lange Stecken wirkt Das Herz der Hölle wie eine Aneinanderreihung von Grausamkeiten — so, als hätte der französische Autor Jean-Christophe Grangé vor allem den Plan, seine Leser von der Verderblichkeit der Welt zu überzeugen und ihnen alle Liebe an die Menschheit auszutreiben. Im Laufe seines packenden Plots aber merkt man, dass all dies eine Methode ist, die innerhalb der Handlung ihre Logik hat — bis zum bitteren, wahrhaft überraschenden Ende, das jedem Leser den Atem raubt.– Stefan Kellerer, Literaturanzeiger.de

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Angst und Schrecken in Las Vegas: Eine wilde Reise in das Herz des Amerikanischen Traumes

Angst und Schrecken in Las Vegas: Eine wilde Reise in das Herz des Amerikanischen Traumes

Entzückte Jack Kerouac die Welt 1957 noch mit seinen Überlegungen Unterwegs, mit Beschreibungen von Apfelstrudel in Idaho und selbstgemachtem Schokoladenpudding auf einer Berghütte, so fuhr der Hobbyjäger Dr. Hunter S. Thompson 25 Jahre später mit radikaleren Geschützen auf. Statt Stippvisiten bei Tanten im Hinterland einzulegen, bediente sich Thompsons alter ego Raoul Duke alias Doctor Gonzo in Fear and Loathing in Las Vegas auf seinem Weg durch das Versprochene Land gänzlich anderer Hilfsmittel: “zwei Tüten voller Gras, 75 Pillen Mescalin, fünf Blättchen Acid, ein Salzstreuer voller Kokain und eine ganze Galaxie farbenfreudiger Upper, Downer, Schreier, Lacher… und außerdem ein Maß Tequila, ein Maß Rum, eine Kiste Budweiser”. Mit dieser Art der Wegzehrung mußte Gonzo bei seinem Marsch gen Osten zu anderen Resultaten kommen als Kerouac. Dabei suchten der Ur-Beat-Poet ebenso wie die diversen Stimmen und alter egos von Thompson nach dem selben: dem Amerikanischen Traum; zumindest auf einem Level von Fear and Loathing; auf einem anderen sucht der Journalist Raoul Duke, der keinen Schritt ohne seinen Anwalt tut, nach immer neuen Kicks. Außer um Dekadenz und ein Leben auf der Überholspur geht es um die Überreste der Hoffnungen Anfang der siebziger Jahre, um die zerschlagenen Träume einer Generation. Right: der Hippie-Generation, der Kinder von Woodstock, der Jünger von Friede, Freude und Magic Mushrooms.

Bemühen sich die meisten Zeitungs- und Meinungsmacher des Abendlandes, Lesern und sich selbst vorzumachen, es gehe um Fakten und Objektivität, so flüchtete Dr. Thompson frontal nach vorne. Mit quietschenden Reifen ließ er verbrennenden Gummi hinter sich, mit V8 Zylindern und über 300 PS verschluckte er, was er auf dem Weg vorfand.

Damit erfand er das, wovon man heute schwärmt: den Gonzo-Journalismus, eine Schreibe, bei der der Journalist zum Schriftsteller wird, bei der sich Fakt und Fiktion, Wahn und Vorstellung vermischen, bei der Hotelgäste zu Köpfe verschlingenden Ungeheuern werden. Sein Motto “When the going gets weird, the weird turn pro” ist dabei das einzige, worauf man sich stützen kann, der Felsen in der Brandung. Thompson wischt die Manieren des vergleichsweise zivilisierten Tom Wolfe, die dramatisierte Wirklichkeit von Truman Capote, er wischt Zaudern, Zögern und Zweifel vom Tisch, holt kurzerhand die Knarre raus, kidnappt den von Wolfe salonfähig gemachten New Journalism, zieht ihn bis auf die Unterhosen aus — und entführt ihn in neue Galaxien.

Dann schaltet er in den nächsten Gang, läßt die U/min gen 6000 drehen. Einen Absatz weiter gibt es Notizen, Memos von seinem Desk. Fear and Loathing in Las Vegas. Erstveröffentlichung mit Zeichnungen Ralph Steadmans in Rolling Stone (Ausgabe 95, 11.11.71). Im September 1977 die deutsche Übersetzung von Sounds-Redakteur Teja Schwaner. Tja… vor einem Vierteljahrhundert, der Hangover nach dem Summer of Love wirkt noch nach, Bob Dylan stellt ernüchtert fest, es sei in der Dekade um nicht mehr gegangen als Kleidung, an Vietnam glaubt niemand mehr, Gonzos liebster Feind Nixon ist noch am Drücker, und bei ‘Watergate’ denkt man höchstens an einen Büro- und Hotelgebäudekomplex in Washington D.C. Und?

Und was findet Thompson, der ‘Godfather of Gonzo’, auf seiner Suche? Statt durch malerische Canyons wie in Easy Rider watet er durch blutüberströmte Hotel-Lobbys voller Reptilien… Der Trip ist nicht nett. Statt Bewußtseinserweiterungen offenbart sich während Gonzos Höllenfahrt das wahre Antlitz Amerikas: eine vor Gier und Narzißmus schlabbernde, fette Grimasse. Der Amerikanische Alptraum? Nein, häßlicher, viel häßlicher. Und paranoider.

“Ich habe Leser immer ermutigt”, erinnerte sich Thompson vor fünf Jahren in einem Rückblick in Rolling Stone, “sich meinem Werk von außen nach innen zu nähern und es zu treffen (wie in einem Zoom-Objektiv oder einer Neonreklame wie dem freundlichen ‘Welcome’ am Fuße des Hügels zum Bates Motel…).” Ob von außen nach innen, im Buch oder auf CD, die Armee an Personal, auf die man in Fear and Loathing trifft, all die Extras zwischen Beverly Hills und dem Circus-Circus Casino in Las Vegas, dem Autoverleih in L.A. und den Lobbys diverser Hotels, die Hyänen und Aasgeier in Lifts und Taco-Imbissen, sie alle laden mit ihren Träumen und individuellen Akzenten und Dialekten geradezu ein, das Ding zu verfilmen, und zwar als den ultimativen Road-Movie.

Alter ego Raoul Duke hinterläßt in Hotels mehrstellige Rechnungen für room-service, und Gonzo rechnet ab; mit den nach Indien pilgernden Hippies, mit den Acid-Freaks, die glaubten, Frieden und Verständnis mit Drogen, “three bucks a hit”, kaufen zu können, mit Amerika sowieso.

Alleine die Tantiemen für Fear and Loathing müßten den Mann glücklich machen; kaum ein Jahr vergeht, ohne daß Auszüge des ‘Kult-Klassikers’ in Anthologien erscheinen. Trotzdem wird man den Eindruck nicht los, daß ihn das wenig interessiert, ja, daß er sich einen Dreck darum schert, denn Rückspiegel hatte sein V8 vermutlich nicht. Scheibenwischer leider auch nicht, denn der journalistische wie literarische Ausstoß Thompsons, mittlerweile dem sechzigsten Lebensjahr näher als dem fünfzigsten, war während der letzten — 25? — Jahre oft ernüchternd. Patentierte Gonzo-Phrasen und Macho-Posen der Frühwerke klappern durch Memo- und Briefesammlungen.

Trotzdem, was bleibt, ist die Weisheit, die Vision und der präzise abgefeuerte Humor von Fear and Loathing… Der Mann, der, wenn er keinen Stoff vorfand, über den zu schreiben es sich lohnte, eben über sich selbst schrieb, ißt die Gonzo-Nachahmer aus den Kultur-, Pop- und Gefühls-Ressorts der Szenemagazine und Stadtzeitungen immer noch zum Frühstück. Der Unterschied zu den Dortmundern, die sich und ihren Opel zu Protagonisten ihrer Ergüsse machen, und Gonzo bleibt, daß Thompson über ein Jahr lang mit und unter Hell’s Angels lebte, bevor er darüber schrieb, daß er sein Handwerk als Kolumnist in Florida, Korrespondent in San Juan und Rio de Janeiro lernte — kurz: daß er gelebt hat und Sachen gemacht und gesehen hat, die die Sinne schärfen, bevor er sich auf seine radikale Schreibe spezialisierte. Und noch ein Unterschied: So eitel die Herangehensweise in der Theorie klingt, so nüchtern, vermutlich geradezu militaristisch diszipliniert hat er sie ausgeführt.

“Das ist noch etwas, das ihn von seinen eher blassen Nachahmern unterscheidet”, meinte jüngst Will Self, enfant terrible der Londoner Kaffeehaus- und Kolumnisten-Szene. “Sein Werk gehorcht einer eigenen Moral, es ist eine Art persönliche Hygiene, es ist ehrlich, sich selbst gegenüber integer.”

Die Legende lebt weiter, dafür sorgen schon die zig Millionen Anekdoten über Dr. Hunter S. Thompson (an dessen Name vermutlich nur das Initial der tatsächlichen Wahrheit entspricht), die Stories von den Plazebos, die er in sich hineinlöffelt, während er anderen Brechmittel reicht — und beides als Speed ausgibt. Alleine 1993 erschienen drei Biografien über Hunter S. Thompson und sein sagenumwobenes Leben. Alle drei nicht autorisiert, alle drei voller Stories über Wahnsinn und Exzess, über ausflippende Nachbarn, Orgien und Stippvisiten der Polizei zu jeder noch so unmöglichen Stunde.

“Ich bin nur das Medium”, fuhr Thompson in seinem Rückblick vor fünf Jahren fort, “der Kanal, ein menschlicher Blitzableiter für all die rauchenden, obdachlosen Visionen und die fürchterlichen Acid-Flashbacks einer ganzen Generation — die wertvoll sind, wenn auch nur als lebende, wilde Monumente eines Traums, der uns alle verfolgt.” Ein Sargdeckel, wie der, mit dem Fear and Loathing die 60er abschließt, fehlt den 80ern bis heute. –Matthias Penzel

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Sex mit Herz. Die Lust am körperlichen in Liebe feiern lernen

Sex mit Herz. Die Lust am körperlichen in Liebe feiern lernen

Sex mit Herz! CD Die Lust am körperlichen in Liebe feiern le

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Mitten ins Herz: Roman: Der siebte Fall für Stephanie Plum

Mitten ins Herz: Roman: Der siebte Fall für Stephanie Plum

Ihr nächster Auftrag sollte für Kautionsdetektivin Stephanie Plum eigentlich ein Spaziergang werden: Eddie DeCooch, angeklagt wegen Zigarettenschmuggel, ist steinalt, depressiv und halb blind — so einer müsste im Handumdrehen vor Gericht zu bringen sein. Doch der Senior ist renitenter als erwartet und er schießt auch noch ganz gut, wie eine tote Dame in seinem Schuppen beweist.

Überhaupt zieht Stephanies siebter Fall größere Kreise als erwartet. Irgendwie scheinen ihre Freunde MoonMan und Dougie darin verwickelt zu sein — zuerst verschwindet der eine, später der andere auf mysteriöse Weise. Und dann schnappt sich Eddie Stephanies Grandma Mazur. Er scheint davon auszugehen, dass Stephanie hat, was er sucht — wenn sie nur wüsste, was! Sie könnte es sich einfach machen und Top-Ganovenjäger Ranger um Hilfe bitten. Doch der fordert einen hohen Preis: Eine Nacht mit Stephanie! Und die hat sich gerade — sehr zur Freude ihrer Mom — mit dem Polizisten Joe Morelli verlobt.

Seit 1994 Janet Evanovichs erster Roman um die nicht gerade stahlharte Kautionsdetektivin Stephanie Plum erschien, reiht sich Erfolg an Erfolg. Dies- und jenseits des großen Teichs haben Millionen Leserinnen nach der Lektüre eines Plum-Krimis nur eins im Kopf: Wo bleibt der nächste? Evanovichs siebter Versuch, Mitten ins Herz, macht keine Ausnahme. Wieder ist die Mischung aus Spannung und Spaß, aus Krimi und Frauenroman, gepfeffert mit einer guten Prise Erotik, absolut gelungen. Der schnoddrig-lakonische Ton wirkt dank der kongenialen Übersetzung von Thomas Stegers auch im Deutschen. Allen Lesern sei schon mal zum Trost gesagt: Evanovich hat den achten Plum bereits geschrieben! –Beate Strobel

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