Auf Abwegen. Bergsteigen und andere Zwischenfälle

Auf Abwegen. Bergsteigen und andere Zwischenfälle

Malte Roeper, einem der hoffnungsvollsten Newcomer der deutschsprachigen Alpinliteratur seit Reinhard Karl, ist mit dem Erzählband Auf Abwegen sein bisher bestes und reifstes Werk gelungen.Seine kurzweiligen Geschichten sind voll ungebändigtem Lebenshunger. Sie erzählen von extremen Abenteuern und ungewöhnlichen Erlebnissen, von den Höhen und Untiefen des Lebens Eiger-Nordwand solo, Direttissima an der Dru, Reisen per Anhalter und mit Güterzügen, Jobs im Hamburger Hafen und Brückenspringen… Diese Geschichten vom täglichen Übermut und anderen Zwischenfällen verknüpft er gekonnt mit Reflexionen über Zeit und Zeitgeist. Selbstironisch stellt er immer wieder die Frage nach dem Sinn und Unsinn seines Handelns, denn Bergsteigen, so Malte Roeper, ist eine Form des Freizeitverhaltens in der Industriegesellschaft. Bergsteigen ist anstrengend und besitzt gleichzeitig einen gewissen Unterhaltungswert, ist dabei aber weder produktiv noch in irgendeiner Weise effizient. Die arbeitsteilige Gesellschaft produziert Freizeit, der Überfluß den Übermut. Bergsteigen ist, wie die meisten schönen Dinge im Leben, eigentlich überflüssig.Auf Abwegen.– 16 packende Stories von senkrecht bis waagrecht, Literatur nicht nur für Alpinisten.

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Viktorianische Ausschweifungen. Sonderausgabe. Die Andere Bibliothek – Erfolgsausgabe

Viktorianische Ausschweifungen. Sonderausgabe. Die Andere Bibliothek – Erfolgsausgabe

Die Rede ist hier von einem Casanova im viktorianischen England. In einer Gesellschaft, in der Prüderie vorherrschte. Neben den offiziellen Lebensformen gab es natürlich auch in dieser Zeit die Kultur der Untergrundgesellschaft wie „My Secret Life“ mehr als deutlich macht.

„My Secret Life“ ist eine authentische Autobiografie, in der von erotischen Abenteuern berichtet wird. Der Verfasser hat bereits im zarten Kindesalter sexuelle Erlebnisse gehabt – und was noch viel bedeutender erscheint – er hat sie sich gemerkt und sie aufgezeichnet. Es folgten von ihm geschätzte 1.200 sexuelle Begegnungen mit Frauen aus den unterschiedlichsten Ländern, die protokolliert im Originalwerk mehr als 4200 Seiten ergaben. Fest steht, dass der Autor ein unglaubliches Gedächtnis und eine außergewöhnliche Beobachtungsgabe besaß: Er hat die Frauen gezählt, vermessen, oft genug auch bezahlt. Fest steht aber auch, dass er unter seiner Besessenheit phasenweise schlimm litt. Er war ein Mann, der dem „Dämon“ der Sexualität verfallen war, der sich als ver-rückt und als Aussätziger empfinden musste.

Walters Aufzeichnungen zeugen vom Mut, alles faktisch genau zu protokollieren. Wer hinter dem Pseudonym steckt, ist auch heute nicht sicher. Einige Vermutungen deuten auf den englischen Öl-Magnaten und Erotika-Sammler Henry Spencer Ashbee hin. Letztendlich ist es auch egal! Die auf diesem Hörbuch versammelten fünf oder sechs Eskapaden klingen im Grunde immer gleich. Es fehlt der Reiz, die Lebensfreude, die „fröhliche“ Lust. Es geht immer nur um die zwei Organe, um Möse und Schwanz. Nichts Geheimnisvolles, nichts Abenteuerliches ist da zu hören.

Dieses Eintönige, fast schon Mechanische bringt der Sprecher Helmut Krauss deutlich rüber. Der Kabarettist leiht seine Stimme auch Männern wie Marlon Brando, John Goodman, Sidney Poitier und Samuel L. Jackson. Es ist das Bedeutende dieses Hörbuchs, dass es über Normverletzungen Einsicht in den Alltag des 19. Jahrhundert, im viktorianischen England gibt. Lesung mit Klaviermusik, Spieldauer: ca. 148 Minuten, 2 CD mit Booklet.

– culture.text

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Malandoo – Welt der Tiere: … die andere Art zu malen

Malandoo – Welt der Tiere: … die andere Art zu malen

Moses® 105947 Malandoo – Welt der Tiere

Best-Nr.: mo-105947 / EAN: 9783897775947

Farbabweichungen und Änderung der Designs vorbehalten

Preis pro Stück

Neuerscheinung 2011

In der gewohnten TOP-Qualität von Moses!

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Das andere Kind

Das andere Kind

In dem nordenglischen Küstenstädtchen Scarborough wird eine junge Studentin scheinbar sinnlos erschlagen. Der Fall kann nicht aufgeklärt werden, und wie das so ist: Im Lauf der Tage und Wochen gerät er in Vergessenheit. Doch dann geschieht ein weiterer Mord: Nach einer Verlobungsfeier auf einer einsam gelegenen Farm, bei der es zu einem Streit gekommen war, bricht die achtzigjährige Fiona überhastet auf und wird auf dem Heimweg getötet – auf die gleiche Weise wie drei Monate zuvor die Studentin. Es muss einen Zusammenhang geben – aber welchen?

Nach und nach wird das Beziehungsgeflecht der Hauptfiguren sichtbar, und es scheint klar, dass der Täter oder die Täterin im Kreis derjenigen zu suchen ist, die auf der Feier anwesend waren: Gwen, die nach Jahren verkümmerten Mauerblümchendaseins doch noch einen Mann fürs Leben gefunden hat; ihr mürrischer Vater Chad, mit dem sie allein auf der Farm wohnt; ihr undurchschaubarer Verlobter Dave, der so gar nicht zu Gwen passt; die frisch geschiedene Ärztin Leslie, Fionas Enkeltochter und Gwens Jugendfreundin, die extra anlässlich der Verlobung aus London anreist ist; und das Ehepaar Jennifer und Colin, das aus undurchschaubaren Gründen seit Jahren seine Ferien auf der Farm verbringt. Als eine von Fiona verfasste „Lebensbeichte“ auftaucht, die in die Wirren der Kriegsjahre und der Landverschickung von Kindern 1943–45 zurückreicht, drängt sich der Verdacht auf, dass die alte Frau wegen eines vor Jahrzehnten begangenen Unrechts sterben musste…

Der Roman hat ganz fraglos Schwächen: Erstens tut der fehlende Fokus auf einen echten Protagonisten dem Buch nicht gut. So wirklich hineinversetzen kann und mag man sich in keine der Personen, alle Charaktere bleiben blass und wirken wenig sympathisch – insbesondere die ermittelnde Polizistin, von der Autorin offenbar als Identifikationsfigur gedacht, ist denkbar blutleer. Zweitens ist die Auflösung relativ unbefriedigend und unglaubwürdig. Und drittens weist die Konstruktion erhebliche Mängel auf: Die vielen Stellen etwa, an denen sich eine der Personen aus hanebüchenen Gründen entscheidet, nun doch nicht zur Polizei zu gehen, sind grotesk. Und die Art und Weise, wie Fionas „Beichte“ über das ganze Buch gestreckt wird, ist völlig unmotiviert (während Gwen, Jennifer und Colin diese Aufzeichnungen, die den Schlüssel zum ganzen Geschehen bilden, hintereinander an einem Tag verschlingen, was ja auch nachvollziehbar ist, braucht Leslie, mit der der Leser „mitliest“, vier Tage dafür, und die Unterbrechungen werden mit Sätzen wie „Sie hatte keine Lust mehr weiterzulesen“ erklärt – das ist an Unglaubwürdigkeit kaum zu überbieten).

Dass bei so viel Kritik das Fazit dennoch positiv ausfällt, ist dem Können Charlotte Links zu verdanken. Die Autorin versteht es blendend, in einfacher Sprache subtile Spannung aufzubauen, falsche Fährten zu legen und dem Leser einen Einblick in die Abgründe der menschlichen Seele zu verschaffen. So ist das Buch einerseits ein ganz klassischer „Whodunit“ in der englischen Erzähltradition, andererseits eine beeindruckende Studie dessen, wozu der Mensch fähig ist, wohin Eigennutz, Lieblosigkeit und Gleichgültigkeit führen können und was jahrzehntelang verdrängte Schuld auslösen kann. — Christoph Nettersheim

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Memoiren aus dem Bordell. Die Andere Bibliothek – Erfolgsausgabe

Memoiren aus dem Bordell. Die Andere Bibliothek – Erfolgsausgabe

“Jedes Mädchen sitzt auf seinem Reichtum” pflegte Tante Letty zu sagen und als Nell größer wird und begreift, daß ihre alte Tante für kurze Zeit eine erstklassige Hure gewesen war, begreift sie auch, was sie damit meint. Viele Alternativen gibt es für Nell nicht: entweder wie ihre Mutter jedes Jahr schwanger sein und sich auf der Farm zu Tode schuften oder sich als Hausmädchen verdingen und hin und wieder vergewaltigt zu werden.

Mit vierzehn nimmt Nell ihr Schicksal selbst in die Hand und flieht nach Saint Louis. Eine sehr ungewöhnliche Lebensgeschichte entspinnt sich. Nell wird Edelnutte in einem vornehmen Bordell, ausgehaltene Geliebte eines betuchten Familienvaters, Frau eines berühmten Bankräubers und Madame von drei Freudenhäusern. Sie ist dreiundsechzig, als 1917 alle Bordelle im Zuge der gesellschaftlichen Veränderungen schließen müssen.

Danach versucht sie es im Immobiliengeschäft und hofft, mit der Veröffentlichung ihrer Lebensgeschichte Geld zu verdienen. Achtzig Jahre dauert dieses verrückte Leben, doch Nell soll ihre Niederschriften in Buchform nicht mehr in die Hände bekommen. Kein Wunder! So einige Jahrzehnte mußten ins Land ziehen, ehe die Welt für einen derartig freizügigen, schonungslos direkten und vor Leben strotzenden Schreibstil bereit war. Nell war keine gebildete Frau, keine Intellektuelle, aber sie war eine Lebenskünstlerin, die aus ihren ungewöhnlichen Erfahrungen viel Weisheit zog und eine spät zu Tage getretene Begabung dafür besaß, ihr Leben in Literatur zu verwandeln.

Wie sah der Alltag in einem Bordell um die Jahrhundertwende aus? Wie denkt, fühlt und lebt man als Nutte? Wie funktioniert dieser ganze Rotlichtbetrieb und welche Phantasien, Wünsche, Beweggründe treibt die Kundschaft dorthin? Was Nell Kimball darüber schreibt, was sich zwischen Mann und Frau immer und immer wieder abspielt, ist immer noch aktuell, auch hundert Jahre später. Und wer könnte erfrischender, freimütiger und natürlicher über Sex plaudern, als ein unintellektuelles und lebensbejahendes Freudenmädchen?

Diese erste Ausgabe mit eleganter Papphülle, goldrotem Einband, schwerem Glanzpapier und alten Nacktfotos ist limitiert und der handgebundenen Lederausgabe von 1-1999 folgend ab 1001 numeriert. –Daphne von Unruh

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Huber spannt aus: Und andere Geschichten aus der Business Class

Huber spannt aus: Und andere Geschichten aus der Business Class

Suters Geschichten in Huber spannt aus handeln von den Helden des Managements. Sie handeln von Männern, die Winterberg heißen oder Obermann oder Gantenbein (!). Von Männern, die Zielkonflikte und Schlafmanko haben, die Synergieeffekte mehr als ihre Ehefrauen lieben und denen beim Karrieremachen das Zufallsprinzip zur Hilfe kommt. Von Männern, für die Vokabeln wie „Lohntransparenz“, „Entscheidungsträger“ oder „After Work“ keine Fremdwörter sind (obwohl für sie nach der Arbeit immer vor der Arbeit ist) und die nach der Trennung „in gegenseitigem Einvernehmen“ weich in die finanzielle Hängematte fallen. Kurz: Suters Geschichten handeln von Männern, die wir nie kennen lernen wollten, obwohl sie uns das Fernsehen ständig präsentiert. Und von Männern, über deren Schwächen, Dummheit und lächerliches Katastrophentum wir liebend gerne schmunzeln.

Suters „Geschichten aus der Welt des Managements“ — eigentlich Kolumnen aus der Schweizer Weltwoche, zu denen neben Huber spannt aus auch die beiden Bände Business Class gehören — sind brillante Lifestyle-Miniaturen, Prosa-Häppchen für den Konsum zwischen Prosecco und 5-Sterne-Catering, von der Länge her genau richtig für die Strecke im Aufzug von der Tiefgarage II in die Vorstandsetage im 41. Stock — oder in die eigene Penthouse-Wohnung, je nachdem. Aber für diese Zielgruppe hat Suter, im früheren Leben Werbetexter und „Creative Director“ seine Texte ja überhaupt nicht geschrieben. Er hat sie geschrieben für alle, die immer schon einmal wissen wollten, wie es zugeht in den hehren Sphären der Oberen Zehntausend, die sich die Schecks ihrer Abfindungen selbst ausstellen dürfen und sich den Draht zur Basis dadurch behalten zu haben glauben, dass sie in der Öffentlichkeit Bier statt Prosecco trinken (den es dann allerdings zuhause gibt). Er hat sie geschrieben für alle Geknechteten, die trotzdem froh sein wollen, niemals Karriere gemacht zu haben. Und er hat sie geschrieben für Leser, die einfach Spaß haben an unterhaltsamer, satirischer, blendend geschriebener Literatur. –Thomas Köster

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Auf den Gipfeln der Welt: Die Eiger-Nordwand und andere Träume

Auf den Gipfeln der Welt: Die Eiger-Nordwand und andere Träume

Egal wie die gegenwärtige Temperatur auch sein mag, nach einigen Seiten von Auf den Gipfeln der Welt werden Sie zu frieren beginnen. Wenn Sie die Mitte des Buches erreicht haben, werden Sie ein völlig neues Verständnis für Ihre Finger, Ihre Zehen und die Tatsache bekommen haben, daß Sie noch eine Nase besitzen. Und am Ende dieser Sammlung werden Sie einigen häufig gebrauchten Redewendungen eine völlig neue Bedeutung beimessen. Das subtile “etwas frische Luft schnappen” oder das neckische “Flugstunden zurücklegen” sind Bergsteigereuphemismen für “Abstürzen”, während “Krater” das Zurücklegen von Flugstunden bis zum Boden bezeichnet. “Summiting”, die Bezeichnung für das Erreichen eines Gipfels, wirkt dagegen geradezu farblos. Die diversen Helden, Risikoeingehenden, Nichtskönner und Individualisten, die Krakauer beschreibt, sind allerdings schillernd, ob sie nun “summiten” oder nicht. Der Autor interessiert sich mehr für das Erforschen der Sucht nach Risiko — der Intensität der Anstrengung — als für reinen Triumph. Da gibt es zum Beispiel den mythischen Minimalisten John Gill, dessen Ruhm “ausschließlich auf Aufstiegen von unter zehn Metern beruht”; oder die Gebrüder Burgess, die ausgeflippten englischen Zwillinge, die stets dann die richtigen Entscheidungen zu treffen scheinen, wenn es darauf ankommt, und deshalb es fast nie schaffen, den Gipfel zu erreichen. Natürlich sind sie noch am Leben. Über diesen und anderen talentierten Kletterern schwebt eine bösartige, unendlich kreative Natur, deren Föhnwinde Leute zum Wahnsinn treibt, und deren Lawinen noch viel Schlimmeres anrichten. Auf den Gipfeln der Welt ist ein Adrenalinfest für die Müden, eine längst überfällige Untersuchung einer stilvollen, mutigen Subkultur. Wie einer der von Krakauer beschriebenen Helden seine Beschäftigung umreißt: “Es ist ein bißchen wie Spaß haben, nur anders.”

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Stille Post: Eine andere Familiengeschichte

Stille Post: Eine andere Familiengeschichte

Wie geht so etwas? In einem abgeschiedenen Cevennendorf sitzt eine Frau im Sommer 2006 über ihren Laptop gebeugt und nimmt Verbindung auf zur Großmutter, die sie nie kennengelernt hat. Hildegard Margis starb im September 1944 im Berliner Frauengefängnis. Christina von Braun, die Enkelin, war damals gerade drei Monate alt. Über Hildegard, eine der herausragenden Frauenfiguren nach dem Ersten Weltkrieg, existierten außer einigen offiziellen Dokumenten kaum private Schriftstücke. Wie also geht so etwas? Nur durch jene „unbewusste Erinnerungskette“, die Christina von Braun mit der „Stillen Post“ vergleicht. Kaum wahrnehmbare Signale, die vor allem die weiblichen Familienmitglieder über Jahre empfangen und weitergeleitet haben. In Hildegard Margis hat sich Christina von Braun schicksalhaft wiedergefunden.Sie bildet das Zentralgestirn dieser buchstäblich zauberhaften Familienaufstellung.

Nachdem Paul, Hildegards Mann, in den Schützengräben Verduns gefallen war, entwickelte die ehedem „höhere Tochter“ ungeahnte Überlebenskräfte. In Sachen Hausfrauenberatung wurde sie zur Vorreiterin der Elektrifizierung deutscher Haushalte; ihr Einfluss wuchs, Firmen wie Siemens hofierten sie regelrecht. Die Kulturwissenschaftlerin und Feministin von Braun vermerkt nicht ohne Stolz, dass die Großmutter eine der ersten Frauen der Weimarer Republik war, die Stimmrecht erhielten. Als politisch aufgeklärtes Wesen durchschaute sie schon früh Hitlers Pläne. Zwölf Tage nach ihrer Verhaftung durch die Gestapo aufgrund ihrer Mitgliedschaft im kommunistischen Widerstand, starb die tapfere Hildegard Margis. Späte Ehre erfährt sie durch ihre Enkelin, die jedem einzelnen Kapitel einen Brief mit Reflexionen, Fragen und Kommentaren an die unbekannte Großmutter folgen lässt. Welch schöner Nachhall!

Um diese zentrale Überfigur, die die Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland repräsentiert, gruppiert die Autorin die restlichen Familienfrauen. Die eigene Mutter, in ihrer koketten Weibchenhaftigkeit der exakte Gegenentwurf zur emanzipierten Großmutter. Die Nachkriegsjahre des deutschen Botschafterehepaars Hilde und Sigismund im Vatikanstaat. Als einzigem Mann wird Onkel Hans größere Aufmerksamkeit zuteil, von Großmutter Hildegard vor den Fängen der Nazis nach England gerettet. Ein weiterer Erzählstrang ist Magnus und Emmy von Braun, den Großeltern väterlicherseits und der Geschichte ihrer Vertreibung gewidmet. An deren berühmt-berüchtigtem Sohn, Hitlers Raketenbauer Wernher von Braun, findet die Autorin nur wenig Interesse. Zu Recht, möchte man sagen. Eine andere Geschichte. Wir haben den wichtigeren Menschen kennengelernt. Dank der „Stillen Post“, die Christina von Braun für uns entschlüsselt hat. -– Ravi Unger

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Eine andere Welt

Eine andere Welt

Philip K. Dick wird immer wieder als “Visionär”, “Science-Fiction-Genie” und Kultautor gefeiert — und das völlig zu Recht. Sein Blick auf die Welt ist einzigartig: Er ist paranoid und scharfsichtig zugleich, und wie kein anderer versteht Dick es, die Wirklichkeit in Frage zu stellen. Er ist der Kafka der SF.

In Eine andere Welt verliert der berühmte Sänger und Showmaster Jason Taverner plötzlich seine Identität. Ohne die im Polizeistaat dieses zukünftigen Nordamerika notwendigen Papiere erwacht er in einem heruntergekommenen Hotelzimmer. Niemand erinnert sich an ihn — weder sein Manager noch seine Geliebte. Und in den Programmzeitschriften ist seine Fernsehsendung nicht verzeichnet. Da er sich ohne Ausweise nicht frei auf der Straße bewegen darf, nimmt er sein letztes Geld, um sich illegale Papiere zu beschaffen. Mit diesen begibt er sich nun auf die Suche nach Spuren seiner Identität, doch weder einer seiner Millionen Fans noch eine Geburtsurkunde lässt sich auftreiben. Dafür beginnt die Polizei sich für ihn zu interessieren und verdächtigt ihn schließlich eines Mordes, den er nicht begangen hat.

Eine andere Welt zeigt glaubwürdige und verschrobene Figuren, die in einem Polizeistaat (über-)leben, diesen stützen, ignorieren oder verändern wollen. Menschen, die belogen werden und sich selbst belügen, die leben und atmen und mit wenigen Worten treffend charakterisiert werden. Dick bannt das Gefühlt des Ausgeliefertseins hier perfekt auf knapp 300 Buchseiten, in eine packende Handlung, die bis zum Schluss mit überraschenden Wendungen aufwartet. Und inmitten all dieser Düsternis blitzt immer wieder menschliche Nähe und ein Augenblick voll Liebe und Glück auf, der nicht aufgesetzt und süßlich wirkt, sondern wahrhaftig. Dick ist hier einmal mehr ein ausgezeichneter Roman gelungen, der sich nahtlos in die Reihe seiner Meisterwerke wie Ubik oder Blade Runner einreiht. Kurz: Eine andere Welt ist brillant. –Ewald Richter

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Der Change Manager: Sich selbst und andere verändern – und trotzdem bleiben, wer man ist

Der Change Manager: Sich selbst und andere verändern – und trotzdem bleiben, wer man ist

Unsere Gesellschaft wandelt sich radikal und schnell. Um damit umzugehen, müssten Menschen flexibel, lernfreudig und allem Neuen aufgeschlossen sein. Sind sie aber leider nicht. Sie wollen in erster Linie bewahren. Wie bekommt man sie dazu, dass sie Veränderungen akzeptieren und sich selbst verändern? Während sich Klaus Doppler bisher auf der Organisationsebene mit Change Management auseinandergesetzt hat, widmet er sich hier dem Individuum. Sein Buch soll als Anleitung für das Change Management in eigener Sache dienen und lehren, wie man sich selbst und andere verändert.

Doch ein klassischer Ratgeber ist Dopplers Buch nicht, den Leser anzusprechen ist seine Sache nicht, er erklärt in sehr allgemeinem Ton Zusammenhänge und Hintergründe. Also was es zum Beispiel mit Flexibilität, mentalen Modellen, Lernprozessen und den Motivationen für Verhaltensänderungen auf sich hat. Das sind zwar ganz exzellent erklärte Grundlagen, aber der rote Faden bleibt stellenweise auf der Strecke. Mal geht es in einem Kapitel um die Ethik des Verhaltens, dann wieder um Persönlichkeitsanteile oder neue Werte. Der übergreifende Bogen entsteht nicht.

Dazu trägt auch bei, dass Doppler nach dem bewährten Muster seiner bisherigen Bücher sämtliche “Tools” an den Schluss stellt. Hier, im zweiten Teil, finden sich zum Beispiel Übungen, wie man sein inneres Leitbild erkundet und sein wahres Persönlichkeitsprofil findet. Auch ein Marketingkonzept für die Selbst GmbH und das Entdecken der eigenen Energiequellen steht auf dem Programm. Wer möchte, kann auch -– witzige Idee — eine Bedienungsanleitung für sich selbst entwickeln. Leider wirken auch die Übungen einfach aneinandergereiht und beliebig.

Mehr als einen hochkarätigen Informationssteinbruch darf man also von Der Change Manager nicht erwarten. Dopplers profunde Praxiserfahrung und die Tatsache, dass er keine Angst vor unbequemen Wahrheiten hat, macht die Lektüre dennoch zu einem lohnenden Erlebnis. –Sylvia Englert

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