Gottes zweite Garnitur
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Aufstieg und Niedergang einer “Grande Cocotte”.
Nana, eine hübsche Prostituierte in Paris Mitte des 18. Jahrhunderts, bekommt eine Rolle als Venus in einem kleinen Varietétheater, in dem sie erstmalig fast nackt, nur mit einem durchsichtigen Schleier bekleidet, auftritt. Ein Raunen geht durch die Zuschauerreihen, und das Publikum starrt erregt auf den Körper dieser Frau, die sich aufreizend mit ihren langen, rotblonden Haaren auf der Bühne bewegt. Nicht ihr Talent macht sie so anziehend, sondern ihre sinnliche Ausstrahlung, die unwiderstehlich den Trieb der Männer anspricht. Die reichen Männer, mit denen sie schläft, beginnen ihr zu verfallen, und Nana nutzt diese Chance, um sich einen Platz in der Gesellschaft zu erobern. Ihre eigene Raffinesse und die Besessenheit der Männer verhelfen ihr zum Luxus. Leichtsinn und Übermut bringen sie schließlich zu Fall.
Die französische Gesellschaft in dieser Zeit, mit ihren Schichten, und der Mensch, der seinen Trieben unterworfen ist, spiegeln sich in diesem Buch wieder. Die Not der Armen in den Gassen, und die Langeweile der Reichen in ihren Salons, zu denen Nana aufsteigt, werden gegenübergestellt. Durch diese Gegenüberstellung wirft der Autor soziale Fragen auf, die auch das Thema Prostitution betreffen. Besonders faszinierte mich, wie Emile Zola es verstand, die Atmosphäre im Verlauf des Romans immer dichter werden zu lassen, bis am Ende die unersättliche Nana die Männer ausbeutet, in den Ruin treibt und sich dabei selbst mehr und mehr verstrickt.
Stilistisch manchmal grob, herb, dann wieder ästhetisch und poetisch, unnachahmlich in seiner Plastizität, läßt der Autor je nach Erfordernis die Charaktere sprechen. Leidenschaft, die Leiden schafft! –Claudia Berg
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Das Zeugnis europäischer Denker herausgegeben von Carl Heinz Ratschow.
Gebundene Ausgabe mit Lederrücken.
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Die Ausgabe der »Kudrun« gehört zu den Meisterwerken des großen Philologen Karl Bartsch. Sein Kommentar ist bis heute ein unentbehrliches Hilfsmittel für jeden, der das Epos verstehen will Seit vierzig Jahren war dieser Band vergriffen und stand der germanistischen Arbeit nicht mehr zur Verfügung. Die neue Ausgabe Karl Stackmanns hat nach Möglichkeit den überlieferten Wortlaut erhalten, etwa notwendige Änderungen wurden schonend angeglichen. Die Abweichungen von der Handschrift sind im Druckbild kenntlich gemacht Die Erläuterungen enthalten den Kern der alten Ausgabe, sie sind um eine Seihe von Hinweisen auf sprachliche und textkritische Schwierigkeiten vermehrt. Die Einleitung gibt unter anderem einen Uberblick über die neuere Kudrun-forschung.
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Den weltberühmten Roman von Alexandre Dumas gibt es jetzt auch als packendes Hörspiel mit Mathieu Carrière in der Hauptrolle. Alexandre Dumas, der von 1802 bis 1870 lebte, war einer der größten Dramatiker und Romanschriftsteller des 19. Jahrhunderts. Seine Vorlage für den Grafen von Monte Christo nahm er aus den Polizeiarchiven von Paris und schrieb die wahre Geschichte des unschuldig verurteilten Schuhmachers François Picaud in einen Abenteuerroman um. Es entstand ein auch heute noch gültiges Stück um Macht und Ohnmacht, um Schuld und Sühne.
Durch eine Intrige wird der junge Seemann Edmond Dantés in die Kerker der Festungsinsel If verschleppt und dort 14 Jahre gefangengehalten. In der Haft trifft er auf den eigenartigen Abbé Faria, der ihm aus Wohlgefallen sein gesamtes Vermögen von 13 Millionen Francs vererbt. Der Schatz liegt auf der Insel Monte Christo vergraben. Dantés hebt ihn nach dem Tode des Abbé und seiner Flucht aus der Festung und nennt sich fortan Graf von Monte Christo.
Ihn treibt nur noch ein einziges Ziel an: Die Rache an seinen Peinigern, die mittlerweile reich und angesehen geworden sind. Im Gegensatz zum echten Vorbild läßt Alexandre Dumas seinen Helden sehr viel subtiler vorgehen. Der Graf alias Edmond Dantès gewinnt die Gunst seiner Erzfeinde und macht sie so von sich abhängig. Er kämpft mit Worten und scheinbar guten Taten und zieht so die Schlinge immer weiter zu.
Mathieu Carrière ist glänzend diabolisch in der Rolle des Grafen von Monte Cristo. Die zynische Grausamkeit, die Durchtriebenheit und die intellektuelle Brillanz nimmt man ihm hundertprozentig ab. Carrière erfüllt die Figur mit Leben und spielt sie mit einer solchen Inbrunst, die sogar in diesem Hörspiel voll zum Tragen kommt. Das gesamte Hörspiel wurde von Helmut Peschina aufwendig mit vielen sehr guten Sprechern und authentisch klingenden Hintergrundgeräuschen bearbeitet. Ein beeindruckendes Hörvergnügen für mehrere Stunden. –Corinna S. Heyn
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Qui, Magni ad convivii Spem, Alacrius nos Praecurrit, Dilecto Filio , Piam in Memoriam
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So ist das nun mal: Bei allen großen Romanen ist die Sprache der eigentliche Hauptdarsteller. Wäre dem nicht so, ließe sich in diesem Fall berichten, daß sich alles um den Privatgelehrten Peter Kien dreht, einen exzentrischen Kopf- und Büchermenschen, der sich “bedeutendster Sinologe seiner Zeit” und Besitzer der umfangreichsten Privatbibliothek Wiens nennen darf.
Er forscht in allergrößter Ruhe vor sich hin, bis ihm ein entscheidender Fehler unterläuft: In einem Anfall von Rührseligkeit heiratet er seine Haushälterin Therese, weil diese jahrelang seine Bücherschätze so gewissenhaft abgestaubt hat. Kaum ist sie aber Frau Kien, möchte sie noch viel mehr abstauben — es entbrennt ein irrsinniger, erbarmungsloser Kampf um die Vorherrschaft in der heimischen Bücherfestung. In diesen Kampf greifen außerdem ein: Benedikt Pfaff, der sadistische Hausmeister, und Fischerle, ein buckliger Zwerg und Zuhälter, der sich nebenbei für den größten Schachspieler aller Zeiten hält. Und alle sind einzig beseelt von Habgier und betreiben mit Eifer Kiens Untergang.
Die Blendung ist von entwaffnender Trostlosigkeit, eine positive Identifikationsfigur wird der Leser vergebens suchen. Mehr als entschädigt wird er aber durch den ins Groteske gesteigerten Humor, mit dem das absurde Treiben der Figuren und deren Denkwelten geschildert werden. Der sprachliche Zauber dieses Romans beruht vor allem auf Canettis Fähigkeit, diese bizarren Kreaturen völlig innerhalb ihrer Wahnlogik und konsequent im jeweils eigenen Tonfall sprechen zu lassen. Auch wenn nach der ersten Veröffentlichung mehr als drei Jahrzehnte verstreichen mußten, bis die literarische Öffentlichkeit von Canettis einzigem Roman Notiz nahm, zählt er mittlerweile zweifellos zu den Klassikern der Moderne. –Christian StahlEin wenig ist die Erwartung auch immer mit Skepsis durchsetzt, wenn aus großen Romanen der Weltliteratur Hörspiele gemacht werden: Dass zu viel auf der Strecke geblieben sein könnte bei der Bearbeitung und all dem Kürzen und Verdichten, das dabei unvermeidlich ist. In dieser Hinsicht ist Die Blendung ein Musterbeispiel für eine geglückte Hörspielfassung. Canettis Hauptwerk, für das er wohl vor allem den Literatur-Nobelpreis erhielt, wurde von Helmut Peschina gekonnt bearbeitet und von Regisseur Robert Matejka sehr ansprechend in Szene gesetzt.
Canettis Roman ist ebenso bedrückend wie absurd-unterhaltsam: die Geschichte des genialen Gelehrten Peter Kien, der aufgrund seiner Weltfremdheit leichte Beute wird für seine habgierige Umwelt, vor allem in Person seiner Haushälterin und des brutalen Hausbesorgers. Verkörpert werden die Figuren bei dieser Aufnahme von erstklassigen Schauspielern: Allen voran Peter Simonischek als Erzähler, Felix von Manteuffel als Peter Kien und Robert Meyer als Fischerle. Und besonders beeindruckend: Burgschauspielerin Libgart Schwarz als Haushälterin Therese.
Ein Vorteil der Hörspielfassung ist naturgemäß, dass die sprachlichen Eigenheiten der Figuren viel besser als im Buch zur Geltung kommen — zum Beispiel das Wienerische des Hausbesorgers oder den jiddischen Einschlag von Fischerle. Herausheben muss man auch die interessante und originelle Musik von Max Nagl: von Violine, Klarinette oder Saxofon geprägte Stücke begleiten und untermalen Canettis meisterhaften Text und sind das akustische Sahnehäubchen bei diesem überaus “blendenden” Hörerlebnis. –Christian Stahl
Spieldauer ca. 173 Minuten, 3 Hörkassetten, Hörspielfassung
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